Politisch unkorrekte Kindheitserinnerung

Vielleicht kennst du auch die Serie „Trotzkopf“?
Schon damals habe ich diese Serie gerne geschaut. Warum, das kann ich gar nicht mal so genau sagen. Zumindest fand ich als junges Mädchen die Herren dort ziemlich gruselig und die sog. Mädchen viel zu alt.

Trotzkopf

Wenn du weder Serie noch Buch kennst, gibt es mal kurz eine Zusammenfassung:

Pommern gegen 1885. Ilse ist fünfzehn und ziemlich wild. Sie läuft den ganzen Tag in abgewetzten Stiefeln und zerschlissenen Kleidern herum. Dazu ist sie ziemlich jähzornig, verhätschelt und benimmt sich gar nicht damenhaft. Das soll sich ändern und so wird sie in ein Pensionat für Mädchen geschickt.
Dort muss sich sich in das strenge, aber dennoch freundliche Miteinander integrieren. Das fällt ihr von Anfang an nicht leicht. Doch nach diversen Wutausbrüchen und Reibereien schafft sie es. Sie freundet sich mit vielen Mädchen dort an und erlebt auch kindgerechte, nette kleine Abenteuer.
Auch verliert sie eine ihrer Freundinnen in Folge einer Krankheit.
Als richtige Dame kehrt sie schließlich nach Hause zurück und trifft dabei ihren zukünftigen Verlobten.

Das Buch war für mich unglaublich nett zu lesen, so wie ich gerne die Serie gesehen habe. Nostalgie pur!
Und dennoch, als Erwachsener liest es sich mit einem leicht bitteren Nachgeschmack.
Dort wird einem eigenwilligen Kind mit sanfter Gewalt sein eigentlicher Charakter weich gebügelt. So dass der kleine Anarchist sich am Schluss doch noch in die Gesellschaft einfügen kann.
Dabei spielt dieses Buch irgendwann 1880 und doch ist dieser Wunsch eines „braven Kindes“ heute immer noch da.
Es hat sich da in den vielen Jahren doch nichts geändert. Ausreißer werden bis heute nicht akzeptiert. Nur dass wir heute Metyhlphenidat haben, wenn ein Kind nicht richtig funktioniert.
(Natürlich, gibt es Kinder & Erwachsene, die es wirklich brauchen, das möchte ich nicht bestreiten!)
Menschen werden auch heute nur dann als wertig angesehen, wenn sie sich der Gesellschaft anpassen.
Nur eines hat sich heute zum Glück geändert: Es geschieht nicht mehr aus dem Grund „später keinen Mann zu finden“.
Das Buch kann auch bei Projekt Gutenberg gelesen werden.

Weihnachtskaktus

Zuletzt noch ein Zitat:
„… Orla hatte, neben anderem, einen Zwicker erhalten und – o Schreck! – auch eine Schachtel Zigaretten!
Fräulein Reinmar stand neben ihr und sah das verräterische Päckchen. „Was ist denn das?“ fragte sie. „Ich will nicht hoffen, dass du rauchst, wie die sogenannten Emanzipierten. Du würdest mich sehr enttäuschen, wenn dies der Fall wäre…“
(Hinterher wird noch aufgeklärt, dass es in Russland – ihrem Heimatland – normal war, dass Frauen sich ‚dieses kleine Vergnügen‘ leisteten.)

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