#nanoadventures

Das Rauschen des Flusses begleitete sie stetig. Das glasklare, teils eisblaue Wasser suchte sich seinen Weg zwischen den Felsen hindurch und rauschte in kleinen Kaskaden bergab.

Rotwand 2018

Um sie herum plätscherte und zwitscherte es und die Sonne ließ die Farben der blühenden Primeln, Buschwindröschen und des ersten Enzians fröhlich schillern.

Bald wurde der Pfad etwas waldiger und schmaler. So merkte sie es kaum, dass sich um sie herum – verdeckt durch die hohen Gipfel – düstere Wolken auftürmten.
Frohen Mutes führte sie jeder Schritt ihrem Ziel hin.
Die Sonne schien noch, als die ersten Tropfen ihre warme Haut kühlten.
Die Sonne schien noch, als aus den wenigen Tropfen mehr wurden.
Sie schien nicht mehr, als Hagel auf die herab prasselte.

Kühle, nasskalte Luft wehte ihr entgegen und sie suchte Schutz unter dem Vordach einer kleinen hölzernen Hütte. Der prasselnde Regen und Hagel vermischte sich mit dem stetigen Rauschen des Baches. Es wurde kühler, Wind frischte mehr und mehr auf.

Es schien nicht enden zu wollen. So entschied sie sich eine kurze Pause ein zu legen und etwas zu essen.
Sie wartete ruhig im trockenen Unterstand ab. Als der Hagel sich in ein leichtes Nieseln verwandelt hatte, ging es weiter.
Bald tat sich vor ihr ein imposanter Wasserfall auf und es begann von Neuem zu regnen. In wenigen Minuten war ihre Hose nass und die Feuchtigkeit fraß sich langsam immer weiter vorwärts.
Mit gesengtem Haupt trottete sie voran und bald erreichte sie einen Zustand der in völliger Gelassenheit aufging. Befeuert durch das gleichmäßige Rauschen des Flusses, dem Tropfen des Regens und dem gleichmäßigen Schritt. Erst als sie den Wald verließ und die Almwiesen hinauf schritt, war der Regen vorbei. Frohen Mutes schlenderte sie weiter und zuckte plötzlich erschrocken zusammen.
Hinter ihr erklang ein Donnern und zerriss erbarmungslos die Stille. Es klang beinahe so, als rolle etwas unglaublich riesiges auf sie zu. Und das erste mal seit sie den Wald verlassen hatte, wandte sie sich um.

Hinter ihr türmten sich bedrohliche schwarze Wolken über dem grauen und unheilvollen Gipfel auf.
Tiefes durchatmen. Oh nein!
Ein kurzer Blick voraus. Die Hütte, wohin der Weg führte, war noch weit entfernt. Vielleicht eine Stunde – stetig bergan. Gelassen thronte sie dort, auf ihrem Felsen. Harrte all den Dingen die da wohl noch kommen mögen.
Mit etwas schnellerem Schritt ging das Mädchen weiter. Schnaufend rannte oder stolperte es die steilen Hänge hinauf. Ihre Fersen schmerzten.
Das Donnern wurde immer bedrohlicher. Beim nächsten Donnerschlag zuckte sie gar zusammen. Wie im inneren einer Pauke hallte der Knall von Bergwand zu Bergwand und trieb sie an.
In der Senke in der sie sich befand kam sie sich so klein und nichtig vor. Gefangen in einem Käfig aus schroffen Fels und unheilvollem Wolken.
Kurz blieb sie stehen. Genoss kurz diesen Schauder. Die Angst füllte sie aus und dennoch mischte sie sich mit einer Faszination für dieses Schauspiel. Hätte so gerne diese Wolkenberge bildlich festgehalten, aber die Zeit drängte.
Ein weiteres unheilvolles Grollen riss die junge Frau aus den Gedanken und trieb sie erbarmungslos voran.
Panisch sprang sie über glitschige Felsen, rutschte im Matsch beinahe aus und versuchte so schnell wie möglich durch die letzten verbliebenen Schneefelder zu kommen. Dabei sank sie bis zu den Knien ein und musste sich mit etwas Gewalt daraus befreien.

Bald war die Hütte erreicht!
Der Wind frischte auf.
Das Donnern klang von allen Seiten heran und die ersten Blitze zuckten wie irr über die Felsen.
Das Herz schlug ihr bis in den Hals und ihre Knie begannen zu zittern. Durch ihre Hektik glitt sie aus und verfluchte den Schnee der ihr den ausgetretenen Weg nahm. Sie musste die letzten Meter über nassen Fels klettern. Wie in einem Mantra rief sie sich immer wieder zur Ruhe. Rannte dennoch fast hektisch bergan. Ihr Herz raste und pochte so laut in ihren Ohren, dass es ihren angestrengten Atem übertönte.
Als sie das Haus erreichte, wusste sie nicht ob sie vom Regen oder vom Schweiß so nass war.
Erleichtert blieb sie kurz stehen, dann öffnete sie zitternd die Tür.
Sie hatte es geschafft!

So, oder so ähnlich hat es sich zu getragen. 😉
Wenn Du den Weg nach wandern willst halte dich an diese Beschreibung. (Besser nicht an schönen Wochenenden, da der Berg einem Ameisenhaufen gleicht. Ich habe bei meiner Tour unter der Woche nur eine Handvoll Leute getroffen.)

Und vielen Dank an die zwei Mädels, die mich beim Abstieg begleitet und nach der Wanderung bis zum nächsten Bahnhof gefahren haben. 🙂

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