Get up off your knees, girl…*

Es ist nicht mal so früh als ich mich auf den Weg mache. Die Bahn ist voll. Bei diesem Wetter zieht es sie alle hinaus, aus der Großstadt hinaus aufs Land.
Ich folge diesem Trend wohl ahnend was mich da vielleicht erwarten wird – vielleicht auch nicht.
Der Weg? Ab Unterammergau – wie so oft. Das Ziel? Das Hörnle. Einer der drei Gipfel wird es schon werden. Uns verbindet ja schon so etwas wie eine Freundschaft.
Schon von München aus sieht man dank Föhn die Berge in ihrer weißen Pracht. Scheinbar so nah, das man sie anfassen könnte. Doch man kann es nicht. Sie sind so nah, aber so weit entfernt. Aber nicht mehr so fern!

Im Tal liegt kaum noch Schnee, nur noch im Schatten. Die ersten Höhenmeter ist es grün und Frühlingshaft, die ersten Primeln stecken vorsichtig ihre Blüten aus ihren Knospen. Der Löwenzahn ist dort schon etwas mutiger.
Bald schon, wären sie nur ein paar hundert Meter weiter oben gewachsen, wären sie noch von einer dichten Schneeschicht umschlossen.
Der Weg führt durch ein Gatter und da ist er. Der Schnee! Es knirscht und knarzt unter jedem Schritt. Es ist stellenweise sehr matschig, dort wo er schon wieder geschmolzen ist. Aber alles ist gut.

Der große Nachteil am Hörnle mit seinen drei Gipfeln ist nicht nur der Sessellift zum Vorderen Hörnle. Sondern das man die Straße hört, ziemlich laut sogar. Ziemlich weit hoch. Wer Ruhe sucht, muss sie lange suchen.
Bald schon kommt ein Wäldchen in Sicht. Mit den alten knorrigen Bäumen, durch die das Schmelzwasser wie ein kleiner Bach fliest. Und die Kiefern die ihre immergrünen Zweige weit hinaus strecken.

Der Weg macht eine Biegung.
Weg.
Jedes Geräusch, das vorher noch so laut schien, ist verschluckt. Nur von ein bisschen Schnee und Bäumen. Durchatmen.
Bald schon komme ich dem Ziel näher, doch bevor die letzten Meter begangen werden können muss ich inne halten.
Stumm, lauschend.

Sonnenstrahlen wandern durch die zum Teil Schnee bedeckten Kiefern. Überall tropft und knirscht es. Hier und da fällt der Schnee mit sanfter Kraft hinab und gibt ein eigenartiges Geräusch von sich. Tropfen wie von einem leichten Sommerregen fallen hinab. Schillern in den Sonnenstrahlen die durch die Wipfel scheint. Wie kleine Diamanten fallen sie hinab. Tropfen auf die Jacke, Äste, Haare, Nadeln, Haut, Rinde. Zwischen all diesem klingt das zaghaft kräftige Zwitschern der Vögel hindurch.
Ich bin’s nur, Winter! Schön das wir uns noch einmal getroffen haben.

Gipfelkuchen und -tee stehen bereit.

Denn er verabschiedet sich. Der Winter.
Beim Abstieg ist der Weg eine Mischung aus Schnee und Fluss. Bei jedem zweiten Schritt breche ich durch die Schneedecke, teils hüfttief und lande mit den Füßen im Wasser. Die Schuhe halten es zwar größtenteils ab, aber es ist anstrengend. Und so lange es noch geht, beschließe ich um zu drehen. Das ist sie also, die berühmt berüchtigte Schneeschmelze. Heute werden wir keine Freunde.
Und so schlittere ich mehr als ich gehe den „Winterweg“ hinab. Aber auch das ist gut so wie es ist.

Hier, unscheinbar, erkennst du den Gipfel vom Teufelstättkopf. Wir haben da noch eine Rechnung offen!

*
Stand face to face with your God…
And find out what you are
Hello, my name is human

Wer die Tour nachgehen möchte halte sich an diese Beschreibung.
Der Rückweg war allerdings ein anderer, ich bin den „Winterweg“ nach Bad Kohlgrub hinunter gelaufen. Sonst hätte ich aber den beschrieben Weg vorgezogen!

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