Sommer-Roadtrip – Grand Final

Sommer-Roadtrip – Grand Final

Etappe 2 / 3 – Ammer-Amper-Radweg
Peißenberg – Oberammergau – Ammer-Ursprung

Die Nacht war so semi erholsam – da die viel befahrene Landstraße quasi genau neben dem Campingplatz lag. Leider.
So wurden früh die Sachen gepackt und weiter gefahren.
Meine Zeltnachbarin war mit drei Kiddos unterwegs, die brav ihre Rucksäcke schulterten.
Sie wanderten quasi den Weg, den ich bequem mit dem Rad absolvierte. Coole Mutti, coole Kids, das muss man los werden.

Es ging erst einen schönen Weg an der Ammer entlang, diese schlängelt sich hier durch grüne Wälder.
Generell ist grün eher die Farbe dieses Flusses und setzt sich damit gut von der eisblau gekleideten Isar ab.
Bald ging es für mich steile Wege hoch, der Blick hinab auf die Ammer war wunderschön. Hier wird der Fluss langsam etwas ungezähmter. Und der Blick auf die Ammerschlucht war wirklich beeindruckend!
Leider trennten sich hier auch bald unsere Wege.

Es ging viel Bergauf – noch mit etwas Schatten. Grün umfing mich der Wald und gab hier und da etliche schöne Ausblicke frei.
Der Wald lichtete sich immer mehr und bald schon kam ich mir vor wie ein Cowboy. Sonne ließ den Asphalt flirren. Ich und mein stolzes Ross trabten langsam durch die Kulisse.
Und während die E-Bike-Rentner zackig den Hügel hoch schossen (doofe Sprüche inklusive… Und dann doch das letzte Stück schieben! Tz…) beschloss ich im nächsten Örtchen eine Pause ein zu legen.

In Rottenbuch gab es ein altes Kloster, einen Bach zum Füße kühlen, Schatten und einen Bäcker. Eine Stunde und zwei Butterbrezen später, ging es weiter.
Weiter Bergauf. Und um ehrlich zu sein, war dieser Abschnitt mit Abstand der anstrengendste auf der ganzen Tour. Was am Wetter, dem fehlenden Schatten, aber auch am stetigen und nicht zu geringem Bergauf lag.
Irgendwann bin ich sogar am Schwaigsee entlang gekommen, hatte aber nicht den Nerv eine Pause zu machen und eine Runde plantschen zu gehen. Tunnelmodus: ON.
Das Trinken war beinahe leer – die Brunnen in den Dörfern alle mit „kein Trinkwasser“ beschildert. Aber am Horizont war zwischen den aufkommenden Wolken auch langsam die ersten Berge sichtbar.
Vor allem das Hörnle und der Kofel stachen bald hervor.
Bald schlängelte sich der Weg endlich wieder durch Wald. Das kühle Nass der Ammer immer noch weit entfernt.
In Bad Kohlgrub war ich fix und fertig. Aber die Ammer bald wieder ganz nah. Die gewohnte Bergkulisse, die ich von diversen Wanderungen kannte, ließen schon ein „Ziel in Sicht“ Gefühl aufkommen.
Statt eine Pause am Ufer zu machen, wollte ich schnell ans Ziel meiner Reise kommen.

Erst ging es an einer Landstraße vorbei, wo ein bekannter Kletterspot sein Zuhause hat. Leider hatte ich es etwas eilig und so zog ich weiter, ohne den Leuten beim Kraxeln zu zugucken.
An vielen klaren kleinen Flussarmen vorbei ging es noch ein paar Kilometer um schließlich am sagenhaften Ziel an zu kommen. Einem Biergarten…
Ich meine WTF?! Dort war nicht mal die richtige Quelle, die war irgendwo noch weiter ins Tal hinein. Nach dem fulminanten Ziel am Isar-Radweg, war das hier eher ein absoluter Dämpfer.

Etwas genervt zuckelte ich wieder zurück in Richtung Oberammergau, vorbei an diesem klaren kalten Wasser. Die kleinen Flussarme hatten hier wirklich eine seltsame, fast grünliche Farbe.
Ein bisschen elfenhaft, ganz zart und ruhig.

Hier und da blieb ich stehen, hielt die Füße ins Wasser und genoss ein bisschen die Ruhe.
Bald schon türmten sich aber am Horizont mächtig schwarze Wolkenberge auf. Und ich zog weiter. Eigentlich hatte ich noch vor in die Ammer zu springen, aber daraus wurde nichts.
Am Campingplatz angekommen kam schon der nächste Dämpfer.
Ich hatte vorher extra im Internet ausgekundschaftet, ob man sich Corona bedingt bei den Campingplätzen anmelden musste. Dort stand: Nein.
Als ich aber vor dem Büro parkte und meinen Mundschutz raus kramen wollte, kam eine nette ältere Dame zu mir und sagte, dass sie leider keinen Platz mehr für mich hätte. Das heißt, Platz hätte sie schon, aber die zugelassene Anzahl an Menschen wäre schon ausgereizt.
Immerhin durfte ich mir noch meine Wasserflaschen auffüllen und ihr tat das auch sehr leid – das sah man ihr schon an.

Eigentlich hatte ich vor gehabt weiter nach Garmisch/Ehrwald zu fahren und von dort zurück nach Mittenwald, um die Runde zu schließen.
So sah ich nur die Wolken und der Sturm zog auch ordentlich an.
Also auf zum Bahnhof, der Zug wartete schon.
Kaum hatte ich das Ticket gezogen und hatte mein Radel im Zug abgestellt, öffneten sich auch schon die Himmelsschleusen.
Immerhin hatte ich ein bisschen Glück. 🙂
In München angekommen beschloss ich dann heim zu radeln und nicht die S-Bahn zu benutzen.

Etappe: nicht getracked, ca. 50 km
APL: 1

Das Fazit:
Alles in allem ist der Ammer-Amper-Radweg eher für gemütlichere Radler geeignet.
Viel Teer, weniger Schotter oder Forstwege. Die Markierung der Wege war makellos. Teilweise gab es aber auch sehr anstrengende Passagen in praller Sonne mit ziemlich garstiger Steigung. (Die man ganz gut umgehen kann, wenn man den Weg von Oberammergau nach Moosburg an der Isar fährt 😉 )
Vom Fluss sieht man ab Peißenberg nicht mehr all zu viel. Was sehr schade ist, weil er so eigentlich den Namen der Flüsse nicht verdient hat.
Vor allem das Ziel/der Start, der sog. Ammer-Ursprung, ist ziemlich enttäuschend und flüstert irgendwie ganz leise Tourist Trap!
Ich bin mir aber sehr sicher, dass man noch weiter fahren kann und irgendwo die richtige Quelle erreicht. Vielleicht dann eher mit dem MTB – vielleicht ein Projekt für 2021. 😉
An sich eine nette Wochenendtour, der gesamte Weg war mit etwas Ausdauer locker in drei oder sogar zwei Tagen zu bewältigen. Aber auch hier kann man Etappen mit der Bahn abkürzen. Und ist somit auch gut als Einstieg geeignet.
Tatsächlich finde ich das Stück Dießen am Ammersee – Dachau am schönsten. Viel Abwechslung, Wald, schöner zu fahrende Forstwege statt Straße. Und die Strecke Grafrath – Dießen bietet bei entsprechendem Wetter auch schon viel Alpenpanorama.
Bei der Fahrradwahl würde ich aus Spaßgründen bei beiden Wegen auf das MTB zurück greifen. Aber auch mit dem Trekkingrad sind beide Wege gut zu meistern. Das Zelten hat mir im Grunde besser gefallen, als vor gebuchte Übernachtungen.
Nachdem ich nun beides getestet habe, muss ich mir wohl eingestehen, dass eine Kombi aus Zelten mit MTB für mich die optimale Wahl wäre. 🙂

Ammer-Amper-Radweg vs. Isarradweg?
Hier wäre der Sieger ganz klar der Isarradweg.
Und das hat ganz einfache Gründe:

  • Er geht mehr am Fluss entlang.
  • Mehr Wald und Schatten
  • Mehr Forstwege und Trails als Straße
  • Der Fluss ist alles in allem wilder – v.a. nach Wolfratshausen
  • Der Weg ist viel abwechslungsreicher und das Ziel war in dem Fall viel belohnender.
    Natürlich kann ich hier nur vom Abschnitt Scharnitz – Moosburg a. d. Isar sprechen.

Kurz und prägnant zusammen gefasst:
Wer es lieber lieblicher mag und noch nicht so die Erfahrung mit längeren Radtouren hat, der ist mit dem AAR gut bedient.
Wer mehr Zeit, Lust auf Herausforderung hat und schroffere Umgebung mag, sollte den Isar-Radweg angehen.

DIe schwarze Schönheit am Ziel, oder Start? 😉

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