Mephisto

Die Sonne scheint, der Himmel ist beinahe wolkenlos, als ich vom Bahnhof in Unterammergau zu meiner Bergtour starte. Es ist schon relativ spät und kurz vor elf knallt die Sonne schon ordentlich hinab.
Daher bin ich froh, das er erste kurze Abschnitt des Weges durch eine kühle Klamm mit viel Schatten und rauschenden Wasserfällen startet.

Teufelstättkopf 2016

Ich genieße das Geräusch eines Elements, das zusammen mit der Erde auch die Alpen formte. Es ist unglaublich!
Bald darauf habe ich den kühlen Schatten hinter mir gelassen und bin flott auf der Forststraße unterwegs die mich zur Kühalm führen soll.
An einem kleinen Stausee teilt sich der Weg, die einzigen drei Menschen die mir bisher auf der kleinen Reise begegnet sind, gehen weiter gerade aus. Mich treibt es nach rechts, an Kühen vorbei die sich sonnen und wohlig mit Glockengeläut schon beinahe zu viel Alpenkitsch verbreiten.

Kühalm fast erreicht 2016

Trotz des langweiligen Weges, ist die Aussicht atemberaubend, bisher bin ich noch nicht ganz im Klaren welcher Gipfel es sein wird. Dieser da mit den großen Zacken? Oder der gerade aus? Und wann kommt nun endlich diese Alm?! An dieser nämlich, soll der Forstweg einem Trampelpfad weichen.

Teufelstättkopf 2016
Hier kann man sehr gut unsere Bekannten – die Hörnlegipfel – erkennen.

Bald ist es geschafft, die Kuhglocken werden lauter und schon ist die Alm in Sicht. Kurz noch einmal Sonnencreme nachgetragen, drei Wanderer hinab gelassen und schon geht es weiter. Schnell mache ich Höhenmeter, knicke ein paar mal um – der Schuh ist nicht richtig geschnürt. Und dann lichten sich langsam die Bäume. Kiefern kriechen den steinigen Hang hinauf. Ich zittere. Es ist zu warm, ich habe zu wenig getrunken, zu wenig gegessen. Schnell einen Platz neben einem Fels gesucht und kurze Pause. Verschnaufen, tief durchatmen, trinken, essen… Erholen.

Teufelstättkopf 2016

Noch ein paar Höhenmeter sind es zum Gipfel! Ich spiele mit dem Gedanken auf zu geben… Beiße die Zähne zusammen und setze einen Schritt vor den nächsten.

Teufelstättkopf 2016

Es ist meine erste Bergwanderung alleine, ich merke es langsam. Mir wird flau im Magen, die Füße tun weh, ich merke die Blasen. Ein ausgesetztes Stück, unter mir Steilhang nach unten. Ich krieche mehr als zu gehen. Stück für Stück kämpfe ich mich hoch. Schreite über den Grat, kann die Aussicht dennoch nicht richtig genießen.

Teufelstättkopf 2016

Die Einsamkeit wird mir bewusst. Ich bin alleine. In diesem Moment, an diesem Ort… Sie krallt sich fest im Nacken, als ich unter dem großen Felsblock stehe und hinauf zum Gipfelkreuz blicke.

Teufelstättkopf 2016

Das letzte Stück, zu steil, zu rutschig… Ich schaffe es nicht. Nehme einmal, zweimal Anlauf. Schreie, fluche, schimpfe… Tränen laufen. Das Drahtseil hat sich in der Sonne mit Hitze voll gesogen. Es geht nicht!
Gehe ich weiter, oder den Weg den ich kenne zurück? Panik macht sich breit. Bin ich überhaupt auf dem richtigen Weg? Was passiert wenn ich nun wirklich umknicke, den Grat hinunter stürze. Es ist niemand da. Niemand!

Teufelstättkopf 2016
Zugspitzgipfel mit Wolkendecke

Langsam, Schritt für Schritt, kehre ich dem Gipfel den Rücken.
Er hat mich besiegt…

Teufelstättkopf 2016

Reumütig gehe ich hinab zur Hütte. Bleibe stehen, schaue mich ein erstes Mal genauer um.
Es ist in Ordnung einmal nicht das zu schaffen, was man sich vor genommen hat.

Teufelstättkopf 2016

Und so genieße ich noch einmal die Aussicht, lausche den Kuhglocken und laufe mit schnellem Schritt hinab ins Tal. Nicht geschafft und dennoch zufrieden…

Teufelstättkopf 2016

So ist es halt manchmal. Sie weisen dich ab und an doch in die Schranken, diese Berge.
Aber ich glaube, eines Tages sehen wir uns wieder! Und dann werde ich einen Eintrag ins Gipfelbuch machen. Vielleicht etwas anderes, vielleicht nicht die Worte die ich mir überlegt habe… Aber das ist dann auch gut so.

Teufelstättkopf 2016

Wenn du die Tour nachgehen willst, kannst du dies hier nachschlagen.

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