Klein

Mein Pfad ging stetig bergan hinauf zum Gipfel des Beinn Dubhain, jener Gipfel der sich direkt hinter dem Cottage auftat. Stetig den Schafswegen folgend, ab und an ausbrechend um durch die trockenen Heidesträucher schneller an Höhenmetern zu gewinnen.
Ein paar Schauer huschten vorbei, um bald darauf wieder durch strahlend blauen Himmel und Sonnenschein abgelöst zu werden.

Am ersten Ziel angekommen bot sich ein unglaublicher Ausblick. Man konnte durch das gesamte Tal sehen, bis hin zum Meer. Die dunklen Regenwolken und die Sonne zauberten zusammen Regenbögen in die atemberaubende Kulisse.

Der Wind riss einem an der Kleidung und wehte einen beinahe um. Drehte man sich mit dem Gesicht gegen den Wind, nahm er einen schier den Atem. Dennoch hätte ich dort ewig verweilen können.
Doch der Weg ging weiter. Nach kurzer Zeit erreichte ich den nächsten kleinen Gipfel, auch hier Wind und Regenbogen. Dies sollte mich den ganzen Weg auf jedem Gipfel begleiten.
Nachdem ich hintereinander drei Gipfel mitgenommen hatte ging es hinab in ein Tal.

Fotos werden der endlosen Weite einfach nicht würdig.

Noch nie in meinem Leben habe ich mich von so viel Weite, Offenheit und Größe schier erdrückt gefühlt! Ein seltsames Gefühl, aber kein schlechtes.
Und dann standen sie dort!
Auf der anderen Seite des Tals graste eine Herde Hirsche.

Da ich mit dem Wind lief, witterten sie mich und starrten mich erschreckt an. Die Wolken, welche zuvor noch die Sonne verdeckt hatten, ließen nun ein paar Strahlen durch. Sie schien genau auf die Herde, die sich bald schnell in Bewegung setzte und in der Weite verschwand.
Das war er wieder, der Moment in dem man vor Glück schier platzen möchte, weil Dinge zu schön sind…

Schnellen Schrittes ging ich bergab, blieb aber immer öfter stehen nur um zu sehen.
Weiter ging es hinab in eine kleine Schlucht, die schnell hinter mir lag und mich wieder in die weite Ebene entließ.

Der Blick zurück zum „kleinen Ben“. Zuvor musste ich die kleine Schlucht durchqueren, welche sich auf dem Bild gut versteckt. 😉

Schließlich galt es einen kleinen Bach zu überqueren um auf der anderen Seite des Tals wieder bergan zu gehen. Vorbei an knorrigen alten Bäumen und plätscherndem Wasser ging es wieder der kargen baumlosen Höhe entgegen.
An einem kleinen See ließ ich mich nieder und machte eine kurze Rast. Es ist schwer zu beschreiben was in den letzten Stunden und Minuten innerlich alles passiert ist.
Man schrumpft und wächst zugleich. Lernt – unweigerlich seinen eigenen Gedanken und Ängsten ausgesetzt – mit sich selbst aus zu kommen. Der eigenen Schuld, Einsamkeit, Orientierung und Freude fest ins Auge zu sehen. Sie zu ertragen und akzeptieren lernen.

Und dann war das Ziel auch schon in Sichtweite.
Das war sie wohl, meine erste Wanderung allein, ohne markierte Wege.
Vielen Dank Schottland, für diesen schönen Abschiedsgruß! 🙂

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